Mindset und Selbstvertrauen

3 Mythen über Akzeptanz und die wahre Bedeutung

Das Bild zeigt ein visualisiertes Tetris-Spiel, welches sinnbildlich für Akzeptanz steht. In dem Artikel erfährst du mehr über die drei Mythen rund um das Thema Akzeptanz.

Am 20. Januar war mal wieder ihr kleiner Ehrentag. Aber kaum einer hat das wohl mitbekommen. Überhaupt: So viel Aufmerksamkeit wie ihre Freundin „Nettigkeit“ oder die große Schwester „Achtsamkeit“ bekommt sie eigentlich nie. Denn viele Menschen haben Vorurteile vor ihr und weisen sie immer wieder fort. Die Rede ist von der Akzeptanz. Ich finde, die Arme ist ganz schön unterschätzt und daher widme ich ihr eine dreiteilige Artikel-Serie. Den Auftakt macht das Aufräumen von Akzeptanz-Mythen. Dafür löse ich drei Irrtümer rund um das Thema Akzeptanz auf, zeige, was Akzeptanz wirklich bedeutet und was das Computerspiel Tetris damit zu tun hat.

3 Mythen über Akzeptanz

1. Irrtum: Akzeptanz ist Gleichgültigkeit 

Lange Zeit habe ich gedacht, Akzeptanz ist letztlich nichts anderes als eine Scheiß-egal-Haltung. Und so lange mich Dinge, Menschen und Gegebenheiten wirklich berühren, interessieren und beschäftigen, werde ich ihnen gegenüber nie eine Scheiß-egal-Haltung aufbringen können. Mir hat mal jemand gesagt, dass ich sogar mein Überdenken überdenke (Er hat es mir auf Englisch gesagt: Das klang irgendwie runder: „You even overthink your overthinking“). Ich musste ihm zustimmen. In vielen Bereichen meines Lebens könnte ich nicht ferner sein von Gleichgültigkeit. Nur hat Akzeptanz rein gar nichts mit Gleichgültigkeit zu tun: Wenn du etwas akzeptierst, heißt es noch lange nicht, dass es dir damit automatisch egal wird. Das ist nicht, worum es bei Akzeptanz geht.

2. Irrtum: Akzeptanz bedeutet Gutheißen

Als ich gerade in einer sehr schweren Phase war, habe ich von vielen verschiedenen Seiten gehört: Du musst die Situation akzeptieren, wie sie ist. Diesen Ratschlag fand ich so flach wie unmöglich. Getoppt wurde er nur noch von: Nun steck doch nicht den Kopf in den Sand. Dabei wollte ich ja gar nicht meinen Kopf in den Sand stecken. Ich wollte, dass die Situation nicht so ist, wie sie ist. Und dementsprechend fand ich sie doof und wollte sie auch weiterhin doof finden. Wie soll man etwas akzeptieren, was so offenkundig – sorry –  scheiße ist?

Damals war ich allerdings noch nicht so vertraut mit dem Thema Achtsamkeit und somit auch nicht mit dem Thema Akzeptanz. Denn: Etwas zu akzeptieren bedeutet noch lange nicht, gutzuheißen, in welcher Situation man sich befindet, wie man behandelt wurde oder was einen sonst gerade widerfährt. Dies fasst auch der Arzt und Psychotherapeut Russ Harris in seinem Buch* „Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei“ zusammen:

„Sie müssen sie [Anm.: unangenehme Gedanken und Gefühle] nicht mögen, sie haben wollen oder sie gutheißen. Sie schließen einfach Frieden mit ihnen und lassen sie so sein, wie sie sind. Dies gibt Ihnen die Freiheit, Ihre Energie auf das Handeln zu fokussieren – auf Aktivitäten, die Fortschritt in eine Richtung bedeuten, die für Sie wertvoll ist.“

Dieses Zitat ist auch eine gute Überleitung zum dritten Akzeptanz-Mythos:

3. Irrtum: Akzeptanz bedeutet Aufgeben oder Stagnation

Vielleicht kennst du das auch dieses Gefühl, dass du eine Situation nicht akzeptieren möchtest, weil es dir dann vorkäme, als hättest du aufgegeben. Stell dir vor, du versucht mit deinem Partner schon seit längerer Zeit ein Kind zu kriegen. Es sind mittlerweile drei Jahre vergangen und du bist immer noch nicht schwanger. Die Situation zu akzeptieren, wie sie ist, bedeutet nicht, deinen Kinderwunsch aufzugeben. Es bedeutet auch nicht per se, es nicht mehr zur probieren. Die Situation zu akzeptieren bedeutet lediglich, dass du anerkennst, dass ihr bisher auf natürlichem Wege nicht zum gewünschten Ergebnis gekommen seid. Nicht mehr und nicht weniger. Und Akzeptanz hat auch nichts mit Stagnation zu tun. Erst durch Akzeptanz bist du offen für die Möglichkeiten, die dir bereitstehen. In dem oben beschriebenen Beispiel könntest du dich also nun bewusst dafür entscheiden, es noch eine Weile weiter auf natürlichem Wege zu probieren oder aber auch den Weg der künstlichen Befruchtung oder Adoption einzuschlagen. Ebenso könnt ihr euch entscheiden, dass die letzten Jahre zu emotional aufreibend für euch waren und ihr den Versuch einstellt. Auch dann kommt ihr voran, weil ihr Ziele und Bedürfnisse neu priorisiert habt.

Arianna Huffington umschreibt derartige Situationen in ihrem Buch* „Die Neuerfindung des Erfolgs“ wie folgt:

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen stoischer Akzeptanz und Resignation.
Die Fähigkeit zu kultivieren, sich von den Hindernissen, Enttäuschungen und Rückschlägen des Lebens nicht verrückt machen zu lassen, bedeutet nicht, dass man das, was man verändern kann, nicht zu verändern sucht.“

arianna huffington

Akzeptanz bringt dich also mehr nach vorne als das Verharren in einer Situation. Aus China stammt das Sprichwort „Wenn du loslässt, hast du zwei Hände frei“. Und mit diesen zwei Händen kannst du besser deine Zukunft anpacken. So beschreibt es auch Russ Harris in seinem Buch:

„Akzeptanz unterbricht den Teufelskreis des Kämpfens und befreit Sie, damit Sie Ihre Zeit und Energie in lebensstärkende Aktivitäten investieren können.“

russ harris

Die wahre Bedeutung von Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet also weder Gleichgültigkeit, noch Gutheißen oder Aufgeben. Akzeptanz ist etwas viel Positiveres. In einem Yoga-Wiki habe ich dazu folgendes gelesen:

„Akzeptanz ist die Fähigkeit etwas anzunehmen. Akzeptanz ist ein wichtiger Schritt, auch um Veränderungen einzuleiten. Akzeptanz bedeutet annehmen was ist.“

Wer akzeptiert, richtet seinen Fokus und seine Energie nicht länger auf etwas, was er (gerade) nicht ändern kann, wie zum Beispiel die eigene Gesundheit, das Verhalten anderer Menschen, das Wetter etc. Dazu passt auch das folgende Sinnbild:

Was ist Akzeptanz? Am Tetris-Beispiel erklärt

In dem Podcast „Secular Buddhism“ (Folge 7) ist das herrlich einleuchtend erklärt. Kennst du noch das Computerspiel Tetris? Ziel des Spiels ist, Bausteine unterschiedlicher Formen so passend zusammenzulegen, dass sie ohne Lücken geschlossene Reihen bilden.

Stell dir nun vor, der Spiel-Algorithmus ist dein Leben: Das Leben wirft dir also irgendwelche Bausteine aus und du musst nun versuchen, daraus das Bestmögliche zu bauen. Nun kommt ein Klotz, der zum einen falsch rum herunterfällt und zum anderen auch eigentlich gar nicht so richtig passt. Du kannst nun den Bildschirm anschreien, dass du dir das nicht gewünscht hast oder dir die Hände vor den Kopf schlagen, damit du die aufkommende Misere nicht siehst. Beides macht nicht so viel Sinn, nicht wahr? Du kannst nicht ändern, welche Steine dir der Computer auswirft und du musst halt damit arbeiten, was kommt. Bei Tetris versteht das auch jeder. Das bedeutet, dass du in Ruhe die Situation bewertest, den unpassenden Stein nochmal drehst oder an eine andere Stelle schiebst, damit er zumindest keinen weiteren Schaden anrichtet. Das ist Akzeptanz: Arbeite mit dem, was kommt.

Nächste Woche erfährst du einige Tipps und Tricks, wie es dir besser gelingen kann, schwierige Gedanken, Gefühle und Situationen zu akzeptieren.

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Weitere Informationen findest du auch in meinem Datenschutz-Artikel.

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