Mindset und Selbstvertrauen

Vortrag verpatzt? Warum das wirklich keinen interessiert

Dank des Spotlight-Effekts weniger Lampenfieber Copyright www.achtsam-engagiert.de

Vor einer Weile musste ich einen Vortrag halten. Ich war Expertin im Thema und wusste aus dem EffEff, was ich zu sagen hatte. Man hätte mich nachts um drei wecken können und ich hätte direkt los referieren können. Wären aber – sagen wir mal – mehr als zehn Leute in diesem absurden Szenario dabei, würde aus mir nur ein Stammeln kommen. Und zwar nicht nur, weil es gruselig ist, wenn man nachts von zehn Leuten geweckt wird, sondern weil ich bei so viel geballter Aufmerksamkeit automatisch Lampenfieber kriege. Kurzum: Der anstehende Vortrag war mir ein Graus.

Hallo Lampenfieber!

Und vor lauter Nervosität kam es, wie es kommen musste: Ich verhaspelte mich an einer Stelle, verlor den roten Faden und musste garniert von zahlreichen Ähms und Öhs nach Worten suchen. In der Zwischenzeit ist mein Gesicht in etwa so rot wie mein Shirt geworden. Ich hätte mich erbärmlicher nicht fühlen können, war niedergeschlagen und mir völlig sicher, dass jeder Zuhörer Zeuge meiner Misere sei. Aber Pustekuchen: Wenn es überhaupt irgendwer bemerkt hat, hat es sie oder ihn wahrscheinlich nicht die Bohne interessiert. Dem Spotlight-Effekt sei Dank!

Was die anderen wirklich denken

Der Erfinder dieses Ausdrucks ist der amerikanische Psychologe Thomas Gilovich. Er machte bei seinen Experimenten eine interessante Entdeckung: Wir überschätzen regelmäßig die Wirkung, die unsere Handlungen auf andere haben. Bei einem seiner Experimente ließ er Studenten mit einem recht peinlichen T-Shirt vor ihre Kommilitonen treten und sich kurz zu ihnen setzen. Anschließend sollten die Studenten einschätzen, wie viele Kommilitonen sich über die befremdliche Kleidung lustig gemacht haben. Wie so oft im Leben lagen Selbst- und Fremdwahrnehmung weit auseinander. Die Testpersonen schätzten, dass etwa die Hälfte der Anwesenden das T-Shirt bemerkt und negativ kommentiert haben. Tatsächlich hat aber gerade mal jeder Vierte überhaupt Notiz von dem Shirt genommen.

Wie der Spotlight-Effekt dich aus dem Rampenlicht rückt

Was du daraus lernen kannst? Wenn du einen Vortrag hältst, werden sich deine Zuhörer ziemlich viel dabei denken. Mit dir muss das aber noch lange nichts zu tun haben und kann alles betreffen: das spannende Thema deines Vortrags, der gestrige Streit mit dem Partner, der anstehende Wohnungsputz oder das, was sie gleich essen werden.

Ergo: Die anderen schenken dir längst nicht so viel Aufmerksamkeit, wie wir in solchen Momenten befürchten oder auch hoffen. Das Gute: Wenn wir uns verhaspeln, nehmen die wenigsten Notiz davon, geschweige denn, dass sie darüber missbilligend urteilen.

So bleibt ein Missgeschick dann auch einfach nur das, was es ist: ein Missgeschick und nicht der Mittelpunkt allen Interesses. Dank dieser Erkenntnis kann ich beim nächsten Mal mit errötetem, aber erhobenem Haupt weiterreden. Irgendwie beruhigend, oder?

2 Gedanken zu „Vortrag verpatzt? Warum das wirklich keinen interessiert“

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