Mindset und Selbstvertrauen

Power-Posen: Wie du mit deiner Körperhaltung in nur 2 Minuten dein Selbstvertrauen stärkst

Das Bild zeigt ein stilisiertes Männchen in einer sogenannten Power-Pose, das für Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen steht. Visualisiert von achtsam-engagiert.de

„Ich bin prima, ich bin prima, ich bin prima und ich –  ich kann das auch! Olé“.
Dieses kleine Mutmach-Lied habe ich als Grundschulkind mit rund zwanzig Mitschülern vor jedem Test gesungen. Dabei haben wir uns selbst ermutigend auf die Schulter geklopft. Seitdem begleitet mich dieses kleine Ritual. Zuletzt habe ich es vor wenigen Wochen in einem Hotelzimmer gesungen, kurz bevor es zu einem Assessement Center ging. Wozu? Weil es hilft. Und das sagte nicht nur meine wundervolle Grundschullehrerin, sondern bestätigen auch einige Wissenschaftler.

Wie die Körperhaltung die Fremdwahrnehmung beeinflusst

Eine Wissenschaftlicherin unter ihnen ist Amy Cuddy. In ihrem spannenden TED-Vortrag berichtet die Sozialpsychologin über ihr Experiment, das beweist, wie enorm der Einfluss unserer Körperhaltung ist. Wir alle wissen und nutzen das ganz intuitiv: Die Köpersprache beeinflusst stark, ob jemand selbstbewusst, kompetent, attraktiv, gut drauf und so weiter auf uns wirkt.

Schlufft jemand ins Besprechungsbüro, befürchten wir einen unmotivierten und unproduktiven Gesprächspartner. Klackert der im Termin dann noch unentwegt an seinem Kuli rum, unterstellen wir ihm Nervosität und Ungeduld. Kneift er die Augen zu, befürchten wir, dass er unseren Ausführungen kritisch gegenübersteht – auch wenn er vielleicht einfach nur die Brille vergessen hat. Kurzum: Die Körpersprache beeinflusst, wie wir auf unsere Umwelt wirken. So weit, so bekannt.  

Die Kraft der Körpersprache auf uns selber

Jetzt kommt der spannende Part: Die Körperhaltung beeinflusst nicht nur die Fremdwahrnehmung, wie Cuddy unterstreicht:

„Wenn wir nonverbale Aktionen betrachten, denken wir daran, wie wir andere bewerten, wie andere uns bewerten und was das Resultat davon ist. Wir vergessen dabei aber das andere Publikum, welches durch den nonverbalen Teil beeinflusst wird. Und das sind wir selbst.“

Amy Cuddy

Ein spannender Gedanke, dass wir das eigene Publikum unserer Körpersprache sind. Um diese These zu prüfen, machte Cuddy ein Experiment, bei dem es darum ging sogenannte Macht- oder auch Power-Posen einzunehmen. Selbst Tiere nutzen ganz automatisch Power-Posen, um Stärke und Autorität zu symbolisieren. Man denke nur an den Gorilla, der sich aufrichtet und erhobenen Hauptes auf die Brust klopft. Na, merkst du bereits die Parallele zu meinem Grundschullied? Wie ich anfangs bereits berichtete, ist dies für mich immer wieder aufs Neue ein bestärkendes Ritual. Einbildung oder Wirklichkeit? Auch Cuddy wollte herausfinden, ob unsere nonverbalen Aktionen beeinflussen, wie wir über uns selbst denken.

Die Macht der Power-Posen

Die Sozialpsychologin ließ ihre Probanden zwei Minuten lang bestimmte Posen einnehmen – wahlweise Viel- und Wenig-Macht-Posen. Zu den Viel-Macht-Posen gehören u.a.

  • Wonder-Woman: Stelle dich dafür hüftbreit hin, Schultern zurück und Hände in die Hüften gestemmt.
  • Obama: Setze dich auf einen Stuhl und lege die ausgestreckten Beine verschränkt auf den Tisch ab.
  • Stehe aufrecht vor einem Tisch und beuge dich mit gestreckten, schulterbreiten Armen nach vorne.

Allen Power-Posen gemein ist, dass sie sehr Raum-einnehmend und aufgerichtet sind. Im Umkehrschluss sind Wenig-Macht-Posen geprägt davon, dass man sich eher klein macht und die Arme verschränkt.

Das Power-Posing-Experiment

Das Experiment lief dann wie folgt: Cuddy nahm Speichelproben von den Probanden, bevor diese sich für zwei Minuten in ihre jeweiligen Posen begaben. Anschließend folgte ein fünfminütiges Vorstellungsgespräch, das gezielt darauf ausgerichtet war, die Probanden zu stressen. Der Clou: Die Beobachter wussten nicht, welcher Proband welche Posen eingenommen hatte. Sie sollten am Ende bewerten, wen sie einstellen würden. Die Anfangsannahme bestätigte sich: Die Leute mit den Viel-Macht-Posen überzeugten auf ganzer Linie, was Cuddy zu dem Zwischenfazit brachte:

„Täuschen Sie es nicht vor, bis Sie es schaffen. Täuschen Sie es vor, bis Sie es werden. Verstehen Sie? Machen Sie weiter, bis Sie es tatsächlich geworden sind und verinnerlichen Sie es.“

Amy Cuddy

Vortragsstil vor Inhalt: Der Dr.-Fox-Effekt

Als ein Meister der Täuschung präsentierte sich auch der Schauspieler Michael Fox (nicht zu verwechseln mit Michael J. Fox). 1970 hielt er vor einer Gruppe von medizinischen Experten einen Vortrag über „Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten“. Angekündigt wurde er als Koryphäe seines Gebiets und als solcher verhielt er sich auch.

Tatsächlich hatte er allerdings null Ahnung von der besagten Spieltheorie und präsentierte eine sinnfreie Rede, die ein Flickenteppich aus widersprüchlichen Aussagen, unklarem Geschwafel und teils sogar erfundenen Wörtern war. Doch die Experten waren ganz eingenommen von diesem Narrenspiel. Im Anschluss an den Vortrag gab es eine interessierte Fragerunde und super Bewertungen im Evaluationsbogen. Die sehr ernüchternde Quintessenz: Das Auftreten eines Vortragenden spielt eine größere Rolle als der Inhalt. Das Ganze sollte als „Dr.-Fox-Effekt“ Geschichte schreiben.

Wenn du Angst vor Vorträgen hast, dann schau mal in meinen Artikel über den Spotlight-Effekt, der ebenfalls zeigt, wie wenig uns unsere Zuhörer eigentlich unter die Lupe nehmen.

Zwei Minuten Powerposing für mehr Selbstbewusstsein

Aber zurück zu Cuddys Experiment, bei dem es ja primär darum ging, wie sehr wir uns auch selbst durch Power-Posen beeinflussen können. Ihre These bestätigte sich: Unsere nonverbalen Aktionen beeinflussen, wie wir über uns denken und fühlen. Wer eine Power-Pose eingenommen hatte, zeigte eine größere Risikobereitschaft für Glücksspiel, ein erhöhtes Testosteronlevel und ein niedrigeres Cortisollevel als die Vergleichsgruppe. Das beweist, dass die Power-Poser weniger gestresst und mutiger waren. Ich möchte dazu nochmal betonen: Dafür reichten bereits zwei Minuten Powerposing!

„Sie brauchen Ihren Körper, Privatsphäre und zwei Minuten. Es kann den weiteren Lebensweg im großen Maße beeinflussen.“

Amy cuddy

So empfiehlt die Sozialpsychologin am Ende ihres Vortrags, dass man sich vor jeder Bewertungssituation diese zwei Minuten Zeit nimmt und durch eine Power-Pose seiner Wahl sein Testosteronlevel ankurbelt, das Cortisollevel senkt und sich auf Erfolg trimmt.

Selbstvertrauen stärken: Nutze deinen Körper

„Der Körper ist quasi ein Spiegelbild unserer Seele und eine persönliche Visitenkarte, die unser Inneres offenbart“, stellt auch die Psychologin Monika Matschnig fest. Und dieses Spiegelbild geht in beide Richtungen: Eine traurige Stimmung führt zu einem niedergeschlagenen Auftreten. Eine selbstbewusste Körperhaltung hingegen führt zu mehr Selbstvertrauen.

Und somit hat mir meine Grundschullehrerin damals einen riesengroßen Gefallen getan, indem sie mir dieses Mutmach-Ritual mit auf den Lebensweg gegeben hat. Danke, Frau Vallée. Sie sind prima!

Ein Gedanke zu „Power-Posen: Wie du mit deiner Körperhaltung in nur 2 Minuten dein Selbstvertrauen stärkst“

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