Achtsamkeit und Balance

Social Distancing: Wie wir mit den 5 Sprachen der Liebe Nähe herstellen können

Das Bild zeigt ein visualisiertes Männchen mit fünf Gedankenblasen, die jeweils die fünf Sprachen der Liebe darstellen sollen. Visualisiert von www.achtsam-engagiert.de.

Social Distancing ist ein Wort, das mir bis vor wenigen Wochen nicht geläufig war. Ich spreche fließend Englisch, aber es kam in meinem aktiven Wortschatz einfach nicht vor. Wozu auch? Aber das hat sich nun geändert.

Sicherlich war für dich das Osterfest aufgrund der Kontaktsperre auch ein anderes als bisher. Doch wie gelingt es uns trotz der physischen Distanz die gefühlte Nähe aufrechtzuerhalten? Dafür stelle ich dir heute die fünf Sprachen der Liebe von Gary Chapman vor und gebe dir Tipps, wie du sie in dieser Zeit für dich anwenden kannst.

Beziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer. Eines der bekannteren Sandkörner ist sicherlich „Die 5 Sprachen der Liebe“ des amerikanischen Psychotherapeuten Gary Chapman. Darin geht es – der Titel verrät es bereits – um unterschiedliche Ausdrucksformen der Liebe. Was genau hat es damit auf sich?

Liebessprache ist nicht gleich Liebessprache

Chapman stellt die These auf, dass jeder von uns seine Sprache der Liebe wie eine Muttersprache erlernt. Treffen zwei aufeinander, die eine andere Sprache der Liebe sprechen, ist das so als würden sich ein Chinese und ein Spanier unterhalten wollen: Sie verstehen sich nicht. Denn sie drücken ihre Gefühle auf unterschiedliche Art und Weise aus. Dadurch können Unklarheiten, Missverständnisse und Konflikte entstehen. Das ändert sich erst, wenn man sich auf die Sprache des Gegenübers einlässt – sie quasi erlernt. Erst dann können sich zwei Menschen gegenseitig verstanden und geliebt fühlen. Chapman hat fünf Sprachen identifiziert, die ich dir jetzt vorstelle:

Die fünf Sprachen der Liebe

  1. Worte der Zuneigung und Anerkennung („words of affirmation“)
  2. Hilfsbereitschaft („acts of service“)
  3. Geschenke („receiving gifts“)
  4. Zweisamkeit („quality time“)
  5. Berührung und Zärtlichkeit („physical touch“)

Wie lassen sich diese fünf Sprachen nun auf die gegenwärtige Situation übertragen?

Worte der Zuneigung und der Anerkennung

Das ist sicherlich die einfachste Kategorie. Jeder freut sich über positives Feedback. Und viel zu oft leben wir nicht nur im Berufsleben nach der Devise „Nichts gesagt ist genug gelobt!“. Für Menschen, deren „Liebes-Muttersprache“ die Worte der Zuneigung und Anerkennung sind, bedeutet das Dauerfrustration. Sie ackern sich ab und fühlen sich permanent übersehen und nicht wertgeschätzt.

Blickt man allein auf das Berufsleben zeigt sich bereits die klare Tendenz zur Bedeutung dieser „Liebesprache“. Die repräsentative Studie eines Personaldienstleisters zur Jobzufriedenheit hat ergeben: Jeder zweite Befragte findet es sehr wichtig, dass er Wertschätzung durch seinen Vorgesetzten erfährt. Ebenso viele legen Wert auf regelmäßiges und ehrliches Feedback. Bezieht man die Befragten mit ein, die diese Aspekte nur „eher wichtig“ finden, sind es insgesamt sogar über 9 von 10 Befragten.

Warum also knausern mit dem Lob, wenn man damit beinahe eine 100-Prozent-Zufriedenheits-Trefferquote hat? Gerade in Zeiten von fehlendem persönlichen Kontakt und dadurch auch fehlender nonverbaler Kommunikation sind Lob und positives Feedback sehr wertvoll – im Beruf, aber natürlich auch in allen anderen Lebensbereichen.  

Hilfsbereitschaft

Vielleicht knausert dein Partner ja mit warmen Worten, ist aber ganz vorne mit dabei, wenn es um kleine Hilfestellungen im Alltag geht: Müll rausbringen, Essen kochen, den Fahrradreifen wieder flicken, das Wohnzimmer schön herrichten und so weiter und so fort. Auch durch diese Form der Hilfsbereitschaft kann man seine Zuneigung ausdrücken, stellt Chapman fest. Einkaufen gehört in dieser Zeit ganz klar dazu und zwar nicht nur für die eigene Familie, sondern auch für Risikogruppen. Dadurch können wir auch im gesellschaftlichen Leben unsere Zuneigung durch Hilfsbereitschaft ausdrücken. Während der Corona-Krise ist dies auch wichtiger denn je.

Wieso nicht einfach mal bei den älteren Nachbarn klingeln und fragen, ob Hilfe benötigt wird? Du kannst dich auch in einem lokalen Portal anmelden und dort deine Unterstützung anbieten. Google einfach „Nachbarschaftshilfe“ in Kombiniation mit deiner Heimatstadt und du wirst sicherlich ein passendes Angebot für dich finden. Wenn du fit und gesund bist, kannst du auch einen wertvollen Beitrag leisten, indem du zum Blutspenden gehst.

Geschenke von Herzen

Zuneigung drückt sich nicht nur in Worte und Taten aus, sondern manchmal auch in kleinen Aufmerksamkeiten. So haben mir meine Eltern beispielsweise zu Ostern ein Paket geschickt, mit dem ich nicht gerechnet habe. Entsprechend groß war die Freude. Es war prall gefüllt mit Leckereien aus meiner Heimatstadt, einem kleinen Geschenk und einer lieben Karte. Da meine Eltern in Aachen leben und ich in Hamburg, gab es dieses Jahr kein Oster-Familientreffen für uns. Dank solcher kleinen Aufmerksamkeiten kann dennoch ein Gefühl von Nähe und Verbundenheit erzeugt werden.

Dabei geht es auch nicht um den Wert des Geschenks an sich, sondern darum, dass es von Herzen kommt. Ich habe beispielsweise meiner engsten Familie und ein paar Freunden zu Ostern selbstgebastelte Lesezeichen geschickt. Auch eine schön geschriebene Grußkarte im Briefkasten kann dazu beitragen, der realen Distanz mit gefühlter Nähe zu begegnen. Und vor ein paar Tagen beobachtete ich im Supermarkt, wie eine Kundin eine Schachtel Pralinen kaufte und diese anders als die anderen Waren nicht einsteckte, sondern der Kassiererin überreichte und sagte: „Die sind für Sie – als Dankeschön“. Das hat mich gerührt.

Zweisamkeit

Chapman sagt im Hinblick auf Paarbeziehungen, dass bewusst gemeinsam gestaltete und verbrachte Zeit ebenfalls ein Ausdruck von Liebe ist. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Paar gemeinsam einsam lethargisch vor der Glotze hängt oder sich zum Beispiel zu einer gemeinsamen Joggingrunde mit anschließender Koch-Session verabredet.

Zweisamkeit als Sprache der Liebe hat aber nicht nur in partnerschaftlichen Beziehungen ihren Wert. Es ist wichtig, sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen. Das weiß jeder, der sich am Telefon bei einem Anliegen schonmal abgewimmelt gefühlt hat. Über „Quality Time“ seine Wertschätzung zu zeigen, gelingt auf vielen verschiedenen Wegen. Ganz aktuell eignen sich dafür am besten (Video-)Telefonie-Verabredungen. Neulich sah ich in einer Werbung, dass zwei Personen sich zum gemeinsamen Pizza-Essen verabredet haben – jeder bei sich Zuhause und beide über Videotelefonie verbunden. Natürlich ist es nicht das Gleiche. Aber es ist dennoch schön, auf diese Weise weiterhin den Kontakt zu halten und sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen.

Berührung und Zärtlichkeit

Bei der Kategorie will ich mich kurzfassen: Was in einer Beziehung ein absolut legitimer und in meinen Augen essentieller Ausdruck von Zuneigung ist, hat darüber hinaus in der aktuellen Situation nichts zu suchen. Oder um es in den Worten von Angela Merkel zu sagen:

„Wir möchten, gerade in Zeiten der Not, einander nah sein. Wir kennen Zuwendung als körperliche Nähe oder Berührung. Doch im Augenblick ist leider das Gegenteil richtig. Und das müssen wirklich alle begreifen: Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“

Angela merkel

Mit den Sprachen der Liebe zum Fülle-Denken

Die fünf Sprachen der Liebe gelten also mitnichten nur für klassische Liebesbeziehungen, sondern lassen sich auch auf alle anderen zwischenmenschlichen Beziehungen ausweiten. Da allerdings jeder seine eigene „Muttersprache“ spricht, kann es hilfreich sein, sich mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen:

  1. Welche „Muttersprache“ spreche ich eigentlich? Hierbei kann dir dieser Test von Gary Chapman helfen: Zum Test der 5 Liebessprachen.
  2. Welche „Muttersprache“ könnte die bevorzugte deiner jeweiligen Mitmenschen sein? Und was könntest du heute als erstes tun, um darüber bei einem Menschen, der dir viel bedeutet, Nähe herzustellen?

Die fünf Sprachen der Liebe sind sicherlich kein Allheilmittel gegen Lagerkoller-Konflikte oder die Folgen von Social Distancing. Aber sie können helfen, einmal den Fokus zu verändern vom Mangel- zum Fülle-Denken. Vielleicht bist du genervt davon, dass dein Partner dir mit deinen Sorgen nicht so aufmerksam zuhört, wie du dir das wünschst. Aber vielleicht fällt dir auch auf, dass er sehr rührig Balkon-Dinnerdates für euch vorbereitet und euch damit eine wunderschöne Quality Time schenkt. Liebe drückt sich eben nicht nur in einer Sprache aus und wenn du einmal gezielt Ausschau nach den Sprachen hältst, die nicht deine „Muttersprache“ sind, wirst du trotz Corona-Kontaktsperre feststellen: Love is all around. 

Fazit: So kannst du trotz Corona-Kontaktsperre Nähe herstellen

In diesem Sinne: Spread the love und sorge für mehr Nähe in Zeiten von Social Distancing und zwar mit diesen fünf Tipps:

  • Verteile mehr denn je großzügig Lob und aufrichtige Komplimente – warum nicht einfach mal an der Supermarktkasse aufrichtig Danke sagen oder die Nachbarin für ihre toll angelegten Blumenbeete loben?
  • Biete deine Hilfe an, z. B. über Nachbarschaftsportale.
  • Verschicke oder verteile kleine Aufmerksamkeiten, z. B. eine schön geschriebene Postkarte oder ein kleines Geschenk.
  • Mache weiterhin Verabredungen – am Telefon oder Online – und nimm dir bewusst Zeit für deine Lieblingsmenschen.
  • Berührungen sind aktuell nur in einer Partnerschaft okay und für alle anderen gilt „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge“.

Und wenn du deinen Freunden und mir eine Freude machen willst, dann teile diesen Artikel sehr gern. Und zum Dank folgen hier schonmal meine Worte der Zuneigung: Du bist klasse und ich finde es toll, dass du hier bist und meinen Blog liest! Schau doch bald wieder vorbei – das würde mich freuen. Alles Liebe!

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