Mindset und Selbstvertrauen

Dead people‘s Goals: Löse dich von unrealistischen Zielen

Dead People's Goals: Nur tote Menschen empfinden keine negativen Gefühle mehr. Visualisiert von www.achtsam-engagiert.de

Ich messe mich mit Toten. Diese Erkenntnis hatte ich, als ich neulich einen Podcast gehört habe und der Begriff „Dead people‘s Goals“ fiel, also Ziele toter Menschen. Was hat es damit auf sich?

Oft setzen wir uns Ziele, die sinnbildlich nur tote Menschen erreichen können. Nur wenn wir tot sind, können wir keine negativen Gefühle mehr empfinden. Beispiele sind:

  • Ich will nicht immer wieder traurig sein.
  • Ich möchte, dass dieses schlechte Gefühl weggeht.
  • Ich will keine Enttäuschungen erleben.

Ziele toter Menschen: Ich möchte nicht mehr so fühlen

Mir ging es in der letzten Zeit häufiger so: Es war viel los bei mir und ich war einfach nicht die beste Version meiner selbst. Ich war traurig, müde, manchmal wütend und gelegentlich so dünnhäutig, dass es sogar einem Kollegen auffiel. Also habe ich mich doppelt und dreifach gegrämt und mir gewünscht, dass ich mich weniger ärgern und enttäuschen lasse von diversen Gegebenheiten des Lebens. Und zumindest könnte ich ja wohl mal aufhören so dünnhäutig zu sein.

Es macht schon Sinn, dass man anerkennt, wie Gefühle sich auf das eigene Verhalten auswirken. Allerdings war mein Fazit falsch, dass ich nun einfach damit aufhören sollte. Denn was ich mir zum Ziel gesetzt habe, war ein Ziel toter Menschen: nicht mehr fühlen, was gerade da ist. Dazu resümiert Susan David in ihrem TED-Vortrag:

„Sie haben die Ziele eines Toten. Nur die Toten werden niemals von ihren Gefühlen gestört oder belästigt. Nur die Toten sind nie gestresst, haben niemals gebrochene Herzen, erleben niemals die Enttäuschung, die mit Scheitern einhergeht. Schwer zu ertragende Gefühle sind Teil unseres Vertrages mit dem Leben. Man hat keine bemerkenswerte Karriere, oder erzieht eine Familie, oder macht die Welt zu einem besseren Ort, ohne Stress und Unannehmlichkeiten. Missbehagen ist der Preis für den Zugang zu einem bedeutungsvollen Leben.“

Susan David
Dead People's Goals: Nur tote Menschen empfinden keine negativen Gefühle mehr. Visualisiert von www.achtsam-engagiert.de

Akzeptiere deine Gefühle, wie sie sind

So makaber es klingt: Recht hat sie. Was kann man also stattdessen tun? Du kannst anfangen, deine Gefühle mit einem offenen Gewahrsein wahrzunehmen. „Ah, da ist Enttäuschung.“ Oder „Soso, da ist wieder die Wut.“. Wichtig ist, dass du dich nicht mit dem Gefühl identifizierst. Das tun wir im alltäglichen Sprachgebrauch eigentlich ständig, wenn wir zum Beispiel sagen: „Ich bin wütend“ oder „Ich bin traurig“. Das suggeriert, du seist das Gefühl. Aber natürlich empfindest du lediglich ein Gefühl und bist es nicht. Denn es verschwindet oft schneller als man denkt.

Susan David empfiehlt außerdem:

„Bei starken und schwierigen Emotionen: Hetzen Sie nicht zum nächsten emotionalen Ausgang. Erfassen Sie ihre Konturen, lesen Sie das Tagebuch Ihres Herzens. Was will Ihnen Ihr Gefühl sagen?“

Susan David

Außerdem erzählt sie in ihrem Vortrag von einer Erkenntnis, die ich ganz besonders spannend fand:

„Wenn die Leute ihre wahren Gefühle ausleben dürfen, gedeihen in diesem Umfeld Engagement, Kreativität und Innovation. Nicht nur die Menschen schaffen Vielfalt, auch ihre verschiedenen inneren Werte. Einschließlich der Vielfalt von Gefühlen.“

Susan David

Lebe deine Kreativität aus statt Dead People’s Goals nachzuhängen

Und darin habe ich mich durchaus wiedererkannt. Als Jugendliche habe ich immer Gedichte geschrieben, wenn ich Herzschmerz hatte. Und auch heute noch animieren mich intensive Gefühle dazu, zu schreiben: nämlich diese Blog-Artikel. Wenn alles gut und in ruhigen Fahrwassern läuft, bin ich weniger motiviert, mich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung auseinanderzusetzen und dementsprechend ist auch der Drang zum Schreiben eines neuen Blog-Artikels weniger groß.

Und es muss ja nicht das Schreiben sein: Kreativität kann auf so vielen Ebenen entstehen: Von Kunst über kreative Lösungsfindung bis hin zum Umstellen von Gewohnheiten. Starke Gefühle sind starke Motivatoren. Allein deshalb sollten wir sie aufmerksam und offen begrüßen.

Natürlich wäre es schöner, wenn uns den ganzen Tag die Sonne aus dem Allerwertesten scheinen würde. Aber würden wir die Sonne als solche dann überhaupt noch wertschätzen? Wären wir dann überhaupt noch die beste Version unserer selbst? Oder braucht es gerade die Tiefs, um daran zu wachsen und dadurch womöglich eine noch besseren Version zu werden?

Aus Schmerz und Fehlern entsteht Wachstum

Ein Kollege von mir spricht im Kontext von seinem Geburtstag immer von einer neuen Version. Daran angelehnt bin ich nun Carina.30.9. Bedeutet: 30 Jahre und 9 Monate Optimierungen stecken in mir. Und von Anwendungen weiß man auch: Sie werden fortlaufend verbessert oder aber gänzlich eingestellt. Womit wir zurück wären bei den „Dead people’s goals.“. Akzeptiere, dass jede laufende Anwendung (sprich Du) hin und wieder mal Bugs hat und nicht ganz rundläuft. Oder für die Nicht-ITler:

Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass zum Leben die ganze Gefühlsklaviatur gehört und nicht nur die hohen Töne. Manchmal gibt’s eben auch Stücke in Moll und ganz ehrlich: Nur 90er-Jahre-Feelgood-Pop mag doch auch kein Mensch, oder?

Mein ganz persönliches Fazit: Wenn ich wieder einen Gedanken bemerke, wie „Ich möchte gerade nicht so negative Gefühle haben“, dann lächle ich in mich hinein und sage mir „Dead People’s Goals“. Schon kann ich das dahinterliegende Gefühl viel besser annehmen. Denn die ewige Ruhe kann doch noch etwas warten. 

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